ZAAR - Zentrum für Arbeitsbeziehungen und Arbeitsrecht
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Rechtschreibung

Bewährte oder reformierte Schreibung

  • Die Wahl der Rechtschreibung trifft bei wissenschaftlichen Texten der Autor. Aufgrund der Eindeutigkeit und der Präzision des Ausdrucks ist die bewährte Rechtschreibung der neuen deutlich überlegen. Der Doktorvater empfiehlt daher mit Nachdruck die alte Rechtschreibung, schon wegen der intensiveren Darstellungsmöglichkeiten.
  • Die getroffene Wahl muß konsequent durchgehalten werden. Wenn schon neue Rechtschreibung, dann die (jeweils) aktuelle - nach den Vorgaben des Zehetmairschen Rates für deutsche Rechtschreibung. Der Duden ist spätestens ab der Auflage 2006 schlechthin unbrauchbar: Dort wird eine Deformschreibung vorgeschlagen, die sich im Rat gerade nicht hat durchsetzen können (dazu Ickler, FAZ vom 21. Juli 2006, nachzulesen unter www.FAZ.net). Bedenken Sie: Fehlerhafte Schreibung führt zur Rückgabe der Arbeit. Es ist nicht Aufgabe des Doktorvaters, Ihrer Schreibschwäche kompensierend zu begegnen.
  • In der Textverarbeitung Word kann man sich helfen: Menü: Extras | Optionen | Rechtschreibung und Grammatik - und dort unter Korrektur­hilfen „Neue deutsche Rechtschreibung“ deaktivieren.

Transkriptionsproblem

Bei Zitierung stellt sich für beide Fraktionen dasselbe Problem: Transkription der anderen Schreibweise.

  • Zuerst gilt größte Strenge beim wörtlichen Zitat: Wer Gesetzestexte, Materialien, Literaturstellen etc. wörtlich zitiert, also in Gänsefüßchen, der muß die Originalschreibweise beibehalten, also ggf. auch die alte Rechtschreibung von vor 1901.
    Beispiel: So meinte schon das Reichsgericht (vom 22.10.1879 – Rep. I 1/79 – RGZ 1, 1, 6): „Aus der Entstehungsgeschichte des Gesetzes ergiebt sich nichts, was einer solchen Vermutung widerstritte.“
  • Bei indirekter Rede und normalem Textfluss gibt es keinen derartigen Zwang. Anhänger der herkömmlichen Schreibweise dürfen also die neuen amtlichen Gesetzesüberschriften außerhalb des wörtlichen Zitats herkömmlich schreiben, wie die Anhänger der neuen Schreibung amtliche Überschriften, die noch in der alten Schreibung verkündet oder bekannt gemacht sind.
    Beispiel: So regelt § 48 BetrVG nach amtlicher Überschrift den Ausschluß von Gesamtbetriebsratsmitgliedern.
  • Im Interesse der Lesbarkeit kann (muss aber nicht) im Literaturverzeichnis transkribiert werden, weil es für den Leser schwer ist, mal Ausschlußfrist und mal Ausschlussfrist zu lesen; einmal Prozess und einmal Prozeß. Das gilt auch für Entscheidungen in den arbeitsrechtlichen Sammlungen. Hier darf einheitlich AP Nr. 6 zu § 4 TVG Ausschlußfristen (oder: Ausschlussfristen) zitiert werden, auch wenn die Schreibweise in der AP gewechselt hat.

Denken Sie daran: Sie schreiben nicht für Prinzipienreiter, sondern für den Leser. Er soll möglichst leichten Zugang zu ihren klaren oder wirren Gedanken finden.

Peinliche Schreibfehler

Manche Dissertationen beweisen Analphabetismus -  oder schlimmer: grobe Gleichgültigkeit. Auch wenn Legasthenie eine Form der Behinderung sein sollte, rechtfertigt der Diskriminierungsschutz solche Schlampigkeiten nicht. Bitten Sie ggf. einen Lesekundigen um einen Korrekturgang.

  • Das gilt zuerst für die Schreibweise von Namen. Es ist schlechterdings unverzeihlich, wenn Autorennamen falsch geschrieben werden (Namensleugnung iSv § 12 BGB). Im Arbeitsrecht sind Opfer vor allem die Kollegen Henssler (nicht: Hennsler oder Henßler) und Reichold (nicht: Reichhold). Wer andere Autoren respektlos behandelt, verdient selbst keinen Respekt!
  • Auch gewöhnliche Schreibfehler machen einen ungünstigen Eindruck, wenn eine gewisse Häufung erkennen läßt, daß es sich nicht um einen - letztlich unvermeidbaren - Tippfehler, sondern um einen Schreibfehler handelt. Standardfehlleistung: "Entgeld" statt richtig Entgelt (von entgelten). Auch Interessenskonflikt ist hübsch (richtig: Interessenkonflikt, kein Genitiv-s möglich, weil es sich um den Konflikt der Interessen handelt, gemeint sind ohnehin meist: konfligierende Interessen). Wer derart schlampig mit der deutschen Sprache umgeht, dem darf man schlampiges Denken unterstellen - eine denkbar ungünstige Ausgangslage für die Korrektur der Arbeit. Der Duden ist keine Richtschnur mehr für richtiges Schreiben.
  • Abkürzungen werden nicht dekliniert. Also zwar "des Bundesarbeitsgerichts", nicht aber "des BAGs".
  • Wegen mit Dativ mag umgangssprachlich vorkommen. Der Bezeichnung einer Kausalbeziehung dient der Genitiv (es heißt auch nicht "demwegen"). Also: "wegen des Streiks", besser ohnehin: infolge desselben.
  • Auch korrekte Satzzeichen gehören zur deutschen Schreibung. Kommata und Semikola, auch Gedankenstriche gliedern Sätze, damit Gedanken und helfen dem Leser. Auf eine direkte Frage folgt ein Fragezeichen! Manche Doktoranden ignorieren den Unterschied zwischen dem kurzen Binde- und Trennstrich (divis, -) und dem längeren Gedankenstrich (–). Nur der letzte ist ein Satzzeichen, insbesondere für einen Gedankeneinschub. Der erste verbindet zwei Wortteile bei Trennung am Zeilenende, vor allem aber Doppelnamen. Zwischen mehreren (Gemeinschafts-)Autoren ist ein Schrägstrich zu setzen (Löwisch/Rieble), um eine Verwechslung mit Doppelnamen (Müller-Graff) zu vermeiden.
  • Das Wörtchen "wo" ist kein Universalrelativpronomen (auch wenn der Doktorand aus der Provinz kommt, "wo" er sich wohlfühlt). Der Bundestrainer ist kein Vorbild ("ein Land, wo Deutschland heißt"). In der Hochsprache kann "wo" einen Relativsatz nur nach "dort" (nicht nach "da") einleiten. Also nicht: "das Tarifgebiet, wo der Betrieb liegt", sondern "das Tarifgebiet, in dem (oder welchem) der Betrieb liegt".
  • Zahlen bis zwölf (einschließlich) ausschreiben (Zahlwort): „fünf Arbeitnehmer“ nicht: „5 Arbeitnehmer“. Zahl-Wort-Verbindungen sind mit Bindestrich zu schreiben: „40-Stunden-Woche“ „100-prozentig“ [keinesfalls: 100%ig], aber: „Achtstundentag“.
  • Wenn Sie so mutig sind, lateinische Wendungen einzuflechten, sollten auch lateinische Grundkenntnisse vorhanden sein. Oder befolgen Sie den treffenden Ratschlag des Altmeisters Adomeit: Im Zweifel nachschlagen (JZ 2006, 557).
  • Überlassen Sie die Silbentrennung nicht der Automatik Ihres Textverarbeitungsprogramms. Jenes trennt nicht nur teils falsch, vor allem kann auch eine richtige Trennung die Lesbarkeit erschweren.

Seien Sie sich bewusst: Wissenschaftliches Stammeln ist ein Akt der Selbstausgrenzung.

Verantwortlich für den Inhalt: VR | 2010


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