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Zitieren und Fußnoten

Zitieren von Vorschriften

Die meisten Juristen können mit ihrem Handwerkszeug, den Rechtsnormen, nicht umgehen. Neben der hermeneutischen Textarbeit (anstelle der verbreiteten Normtextresistenz) geht es um den rein handwerklichen Umgang im Normzitat. Wer schlampig zitiert, dem traut man auch keinen klaren Gedanken zu.

  • In Hausarbeiten, Masterarbeiten und Dissertationen keine Abkürzung von Absätzen, also: § 1 Abs. 3 KSchG statt § 1 III KSchG. Diese Kurzschreibweise ist zulässig nur für Klausuren.
  • Mehrere Vorschriften ein und desselben Gesetzes können durch den Paragraphen- oder Artikel-Plural (§§ bzw. Artt.) zusammengefasst werden. Also: §§ 4 Abs. 1, 5 Abs. 2 KSchG oder Artt.  12, 14 GG.  Werden Vorschriften verschiedener Gesetze zitiert, muß getrennt geschrieben werden: § 1 Abs. 5 KSchG iVm § 125 InsO!
  • Laufende Nummern in einer Vorschrift sind Nummern und keine Ziffern: § 1 Abs. 2 Nr. 3 (nie: Ziff. 3). Ziffern sind Zahlzeichen von 0 bis 9 ohne Ordnungsfunktion. Nummern dagegen sind Ordnungszahlen, die eine Reihung verdeutlichen. Eine Ziffer 11 gibt es schlechthin nicht.
  • Unterbuchstaben als Gliederungselement werden mit „Buchstabe“ oder „lit“ zitiert: § 1 Abs. 2 Nr. 3 lit a. Ein Abs. 3a ist möglich, aber nur, wenn der Gesetzgeber zwischen Absatz 3 und Absatz 4 einen neuen Abs. 3a zwischengefügt hat.
  • Ein Paragraph mit Kleinbuchstaben (§ 613a BGB) ist eine neue und einheitliche Ordnungszahl, die der Normgeber einfügt. Dementsprechend steht zwischen Zahl und Buchstabe kein Leerzeichen (nicht: § 613 a).

Letzte Klarheit bei Bonnet, Vom Zitieren gesetzlicher (und vertraglicher) Vorschriften, MDR 1989, 594 ff.

Fußnoten

Viele Dissertationen sind Fußnotengebirge. Eigenständige Gedanken oder Argumente gehören von vornherein in den Text - nicht in die Fußnote. Die Idee, nur üppige Fußnoten (bis zum Amtsgericht Bad Kaff) seien wissenschaftlich, ist blanker Unsinn: Fußnoten sind kein Nachweis eigener Lesetätigkeit, sondern eine Hilfe für den Leser, der Belege und Weiterführendes sucht. Richtlinie: allenfalls 25% einer Seite dürfen Fußnotentext enthalten. Bei abgearbeiteten Standardproblemen, die für das eigene Werk ohne besondere Bedeutung sind, genügt eine Referenzbelegstelle, etwa: „statt aller Staudinger/Kaiser (2003) § 346 Rn. 12 m. w. N. zum Streitstand“.

Formalien:

  • Fußnoten sind fortlaufend zu numerieren – also nicht seitenweise. Zulässig (aber nicht empfehlenswert) ist ein erneuter Zählbeginn in einem neuen Kapitel (oder in der jeweils höchsten Gliederungsebene).
  • Im Text steht das Fußnotenzeichen zur Abgrenzung vom Text hochgestellt. Das macht Word automatisch. Im Fußnotenbereich macht Word das leider auch. Dort stört es aber die Lesbarkeit, weswegen das ZAAR hier normale Schrift empfiehlt.
  • Überschriften enthalten keine Fußnoten (Ausnahme: Sternchenfußnoten bei Aufsätzen mit Vorwortfunktion [Widmung, Mitarbeiterangabe oder Herkunftsnachweis, also Vortrag oder Gutachten]).
  • Der Fußnotenbereich wird durch einen waagerechten Strich vom Text abgesetzt (das macht „word“ automatisch).
  • Fußnoten enden mit einem Punkt!
  • Jahresangaben immer vierstellig: Also NZA 2004, 1 ff und nicht: NZA 04, 1

Zitierweise in der Fußnote:

  • bei Gerichtsentscheidungen sind – zum Zwecke der Identifizierung – Datum und Aktenzeichen anzugeben; bei BVerfG-Entscheidungen muß ggf. angegeben werden, ob es sich um eine „Kammer-Entscheidung“ handelt. Dann ist zu zitieren: BVerfG (Kammer) vom 1.4.2004 – 1 BvR 4/04. Bei EuG- und EuGH-Entscheidungen ist ggf. der Entscheidungsname mit anzugeben: EuGH vom 31.5.1995 – C-400/93 [Royal Copenhagen] – EuGHE I 1995, 1275 = AP Nr 68 zu Art 119 EWG-Vertrag.
  • Autorennamen sind hervorzuheben (durch „Kapitälchen“, Kursiv­druck), nicht jedoch Gerichtsbezeichnungen;
  • Vornamen sind in Fußnoten nicht anzuführen (Ausnahme – Namensgleichheit: Alfred Hueck im Unterschied zu Götz Hueck; Karsten Schmidt im Unterschied zu Harald Schmidt);
  • Der Titel eines Werkes oder Aufsatzes wird in den Fußnoten der Dissertation regelmäßig nicht wiederholt, weil der Leser im Literaturverzeichnis nachsehen kann. Werden mehrere Werke eines Autors zitiert, läßt sich die Identifizierung durch einen Kurztitel erreichen, der im Literaturverzeichnis anzugeben ist „(zit: Kurztitel)“.
    Beispiel: Rieble, Arbeitsmarkt, Rn. 1224 ff. (statt: Rieble, Arbeitsmarkt und Wettbewerb. Der Schutz von Vertrags- und Wettbewerbsfreiheit im Arbeitsrecht, Rn. 1224 ff.);
  • Bei Zeitschriften und Entscheidungssammlungen wird der Jahrgang bzw. die Bandzahl genannt. Hinter einem Komma wird die Seitenzahl angegeben, an der der zitierte Beitrag oder die Entscheidung beginnt; die Abkürzung „S.“ entfällt. Dahinter folgt die Seitenzahl der konkret herangezogenen Belegstelle, entweder nach einem Komma oder in Klammern. Beispiel: BGH vom 5.7.2001 – I ZR 311/98 – BGHZ 148, 221, 230 f.; oder BGH vom 5.7.2001 – I ZR 311/98 – BGHZ 148, 221 (230 f.);
  • Kommentare werden nach Paragraphen und Randnummer (Rn.) zitiert – nicht: Randziffer (Ziffern sind Zahlzeichen von 0 bis 9 ohne Ordnungsfunktion!) oder Anmerkung –; zwischen der Paragraphenangabe und Rn. steht kein Komma – also: § 14 Rn. 12 und nicht: § 14, Rn. 12.
  • Wird eine Gerichtsentscheidung oder ein literarisches Werk mehrmals zitiert, so ist es zulässig, die Fundstelle nur beim ersten Zitat anzugeben und bei den weiteren Zitaten durch „a.a.O.“ zu ersetzen. Dahinter muß dann jedoch die Fußnote genannt werden, in der die Fundstelle angegeben ist; ästhetischer ist es dann aber, auch das „a.a.O“ wegzulassen und statt dessen einen Klammerverweis vorzunehmen. Beispiel: Gutzeit (Fn. 12) § 134 Rn. 12. BAG vom 20.4.1999 – 1 ABR 9/02 – (Fn. 34) unter B III 2 b der Gründe. In Word kann der Verfasser dynamische Referenzfelder anlegen, um nicht von Hand erneut durchnumerieren zu müssen!
  • Wird auf eine Internetseite verwiesen, so ist – wegen der fehlenden Dauerhaftigkeit der Internetpublikation – die vollständige Adresse nebst Datum des „letzten Abrufs“ anzugeben (z.B.: www.zaar.uni-muenchen.de [zuletzt abgerufen am 24.4.2004]); dazu näher: Runkehl/Siever, Digitale Wissenschaft, Forschung & Lehre 2000, 640; weiter: http://www.mediensprache.net/de/publishing/ , zuletzt abgerufen am 24.4.2004);
  • Enthält eine Fußnote mehrere Fundstellen, so werden Gerichtsentscheidungen zuerst – und zwar grundsätzlich dem Range im Instanzenzug entsprechend – zitiert. Also BAG vor LAG. Werden mehrere Entscheidungen desselben Gerichts zitiert, so sind diese chronologisch (auf- oder absteigend) zu ordnen. Die nachfolgenden Zitate sind entsprechend der Autorennamen alphabetisch zu ordnen. Werden mehrere Werke eines Autors zitiert, so ist der Autorenname nur beim ersten Zitat zu nennen. Der Name wird bei nachfolgenden Zitaten durch „ders.“ oder „dies.“ ersetzt.
  • Von dieser Reihung kann aus sachlichen Gründen abgewichen werden, etwa wenn eine Meinung aus der Literatur sich bei Gericht durchgesetzt hat: Klumpp, Die Privatstrafe, S. 12; dem nunmehr folgend OLG Colmar vom 17.3.1907 – 4 S 15/06 – JW 1908, 345. Oder wenn eine gute Idee in einer bahnbrechenden untergerichtlichen Entscheidung entwickelt worden ist.
  • Vermeiden Sie ein ständiges „vgl.“ am Beginn jeder Fußnote; das drückt nur distanzsuchende Ängstlichkeit aus. Wenn Sie ein Gericht oder einen Autoren mit einer Aussage zitieren, muß die Belegstelle das Behauptete ergeben – auch ohne besonderen Vergleich. Überflüssiger noch ist das vielverbreitete „siehe“ oder „s.“. Da Hörbücher nicht zitiert werden, liegt die Auswahl des maßgeblichen Sinnesorgans nahe. Wenn eine Belegstelle die Aussage als Zitat nicht vollständig deckt und Verfasser sich vor der Anmaßung hüten möchte, dem Zitierten etwas zu unterstellen, so sind aussagekräftigere Distanz-Formulierungen vorzuziehen: „in diese Richtung BGH“, „ähnlich Preis“, „dies deutet an von Hoyningen-Huene“.

Querverweise:

  • Vielfach ist erforderlich, innerhalb des eigenen Textes Querverweise vorzunehmen. Das geschieht meist maximal leserunfreundlich auf Gliederungsebenen: Dazu oben § 1 B I 3 b [4]. So hält man den Leser nur davon ab, dem Verweis nachzugehen. Verweisen sie daneben auf Seitenzahlen. Beides (Verweis auf Gliederungsebene und Seitenzahlen)  kann in Word mithilfe dynamischer Referenzfelder vorgenommen werden. Noch ist es unüblich, in Dissertationen mit Randnummern zu arbeiten. Indes ist dies die beste Möglichkeit, eine Textstelle exakt zu zitieren und dementsprechen klare Querverweise vorzunehmen.

Verantwortlich für den Inhalt: VR | 2010


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